KIT-Archiv auf Dreiländertagung in Prag

Dr. Klaus Nippert spricht über den „stillen Erdrutsch“ in Archiven und die Herausforderungen der digitalen Transformation

Vom 16. bis 18. März 2026 fand die Dreiländertagung der Universitäts- und Wissenschaftsarchive in Prag statt. Die Tagung brachte Fachvertreterinnen und Fachvertreter aus Deutschland, Österreich und Tschechien zusammen, um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Archivwesen zu diskutieren. Im Fokus standen in diesem Jahr Normen und rechtliche Rahmenbedingungen, Erschließung sowie digitale Langzeitarchivierung.

Dr. Klaus Nippert, Leiter des KIT-Archivs, thematisierte in seinem Vortrag mit dem Titel „The Silent Landslide. Are Archives Losing Conceptual Control to Digital Transformation?“ die tiefgreifende Veränderungen im Archivwesen. Er beschreibt einen „stillen Erdrutsch“, bei dem aufwändige Ingest-Prozesse für digitales Archivgut sowie der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Prioritäten verschieben. Neue digitale Quellen wie Websites oder Datenbanken gewinnen an Bedeutung, während zugleich Verluste – etwa bei der Archivierung von E-Mails – durch technische und organisatorische Hürden entstehen.

Auch die Erschließungspraxis befindet sich im Wandel: Strukturen werden unter dem Einfluss der digitalen Transformation neu geordnet. Nippert plädiert dafür, diese Entwicklungen aktiv und bewusst zu steuern, um die fachliche Kontrolle in Archiven langfristig zu sichern.

Die Dreiländertagung ist Teil der Arbeit der 1978 gegründeten Fachgruppe 8 des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare. Die Fachgruppe vertritt die Interessen von Archivarinnen und Archivaren an Hochschulen und wissenschaftlichen Institutionen. Neben regelmäßigen Treffen im Frühjahr und Herbst dient insbesondere die alle vier Jahre stattfindende Dreiländertagung dem internationalen Austausch und der gemeinsamen Bearbeitung aktueller Herausforderungen der Archivierung.

Aussicht über Prag Tanja Oberacker
Dreiländertagung in Prag