Pionierarbeit im Web der 90er
Drei Macher des KVK geben Einblicke in Entstehung, Herausforderungen und Weiterentwicklung – von den ersten Ideen bis zu seiner heutigen Rolle als etablierte Rechercheplattform.
Uwe Dierolf
Wie ist die Idee zum KVK entstanden – und welches Problem wolltet ihr damals lösen?
Wir wollten die Suche nach Literatur stark vereinfachen. Dazu sollte der KVK als Meta-Katalog mit einer Suchmaske auf einmal viele Requests an verschiedene Ziel-Kataloge stellen.
Was war die größte Herausforderung – technisch oder organisatorisch?
Das Hauptproblem war am Anfang, dass die Anwendung extrem viel Rechenkapazität benötigt hat und die BIB nur wenige, sehr teure Server von IBM hatte. In Tests gelang mir eine Beschleunigung der Anwendung um den Faktor 100! Ohne diese Optimierung hätte der KVK die ersten Jahre kaum überlebt.
Wie sehen Sie die Rolle des KVK in der heutigen digitalen Recherchelandschaft?
Der KVK ist eine gute Ergänzung zu den vielen großen Gesamt-Indexen, die in den letzten Jahren entstanden sind. Diese decken nicht so ein großes Spektrum an Ziel-Katalogen ab. Er ist immer noch sehr wichtig für Menschen, die seltene Literatur suchen.
Michael Mönnich
Wie ist die Idee zum KVK entstanden – und welches Problem wolltet ihr damals lösen?
Ich war zu jener Zeit Fachreferent für Informatik und stellv. Leiter der IT-Abteilung. Damals beschäftigte ich mich intensiv mit den aufkommenden Internet-Suchmaschinen wie AltaVista, Yahoo, Lycos oder WebCrawler. 1995 und 1996 kamen die ersten Meta-Suchmaschinen hinzu, etwa MetaCrawler in den USA oder MetaGer in Deutschland. Deren Prinzip war es, die Suchanfragen der Nutzer an bestehende Suchmaschinen weiterzugeben und die Ergebnisse zusammenzuführen. Dadurch musste man die gleiche Suche nicht mehr mehrfach in verschiedenen Systemen starten, sondern bediente nur noch ein einziges Interface. So lag es nahe, dieses Prinzip auch auf Bibliothekskataloge zu übertragen. Zunächst betraf das die lokalen Karlsruher Bibliothekskataloge (Universitätsbibliothek, Institutskataloge der Universität, Badische Landesbibliothek), doch bald konnten wir auch verschiedene Bibliotheksverbünde einbeziehen. So war es den Nutzern an der Universität möglich, mit nur einer Suchanfrage alle wichtigen Bibliotheken der Region gleichzeitig abzufragen.
Was war die größte Herausforderung – technisch oder organisatorisch?
Als der KVK bekannt wurde, nahm der Traffic – d. h. die Anzahl der Suchanfragen – massiv zu. Das hat die damaligen Server in der Universitätsbibliothek stark belastet, woraufhin die DFG jedoch Mittel für neue Hardware bereitstellte. Ein anderes Problem war, dass die Bibliotheksverbünde den KVK zeitweise als unliebsame Konkurrenz sahen; sie arbeiteten selbst schon seit Längerem erfolglos an einem Projekt für einen gesamtdeutschen Bibliothekskatalog (den es in dieser Form bis heute nicht gibt). Da der KVK jedoch sehr schnell extrem beliebt war, konnten sie es sich nicht erlauben, ihn einfach auszusperren.
Wie sehen Sie die Rolle des KVK in der heutigen digitalen Recherchelandschaft?
Der KVK ist immer noch die einzige Möglichkeit, alle relevanten Bibliothekskataloge in Deutschland und auch in vielen anderen Ländern auf einen Schlag abzufragen. Er wird auch von vielen Institutionen genutzt, zum Beispiel von der VG Wort zur Berechnung der Tantieme für Autoren von Büchern. Es gab in den letzten 30 Jahren natürlich viele Projekte zur Fusion von bibliothekarischen Recherchesystemen, aber bislang hat es (erstaunlicherweise) noch keines geschafft, den KVK abzulösen.
Roland Sand
Welche Hürden gab es beim frühen KVK?
Eine der größten Herausforderungen war der technische Kontext der Zeit. Mitte der 1990er-Jahre steckte das Web noch in den Kinderschuhen, und für dynamische Websites gab es im Grunde nur CGI (Common Gateway Interface) als verbreiteten Standard.
Gleichzeitig mussten sehr unterschiedliche Bibliothekskataloge angebunden werden, oft ohne standardisierte Schnittstellen. Meist musste HTML geparst und je nach Katalog unterschiedlich interpretiert werden. Suchanfragen automatisiert abzusetzen und die Ergebnisse wieder zusammenzuführen, erforderte daher einige kreative Lösungen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Erweiterbarkeit - es sollte leicht möglich sein, neue Kataloge an das System anzubinden.
Wie sehen Sie die Zukunft des KVK?
Ich freue mich zu sehen, wie die Anwendung immer weiter ausgebaut wurde und was aus den kleinen Anfängen bis heute so alles geworden ist. Ich hoffe, dass er auch die nächsten 30 Jahre der KVK noch viele Menschen bei Rechercheaufgaben unterstützt!


