aUPaEU Halbzeit-Workshop

Digitale Dienste und Richtlinien für institutionelle Transformation
Lauren Ciancio, Michael Anger and Michael Zacherle from KIT
Lauren Ciancio, Michael Anger und Michael Zacherle

Am 30. Januar 2026 veranstaltete das Projekt aUPaEU seinen Halbzeit-Workshop „Stepping into Agora: a discussion with co-creators, lead users and policy experts” (Ein Schritt in die Agora: eine Diskussion mit Mitgestaltern, Hauptnutzern und Politikexperten) an der Universitat Politècnica de Catalunya (UPC) in Castelldefels (Barcelona). Das KIT war als einer der sechs Projektpartner durch Lauren Ciancio (BIB) und Michael Anger (BIB) sowie Michael Zacherle (INTL) vertreten.

An der Veranstaltung nahmen 127 Vertreter von Universitäten, europäischen Hochschulallianzen und Politikexperten teil – 52 vor Ort und 75 online –, was das große Interesse an institutionellen Veränderungen im europäischen Hochschulwesen widerspiegelt.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die institutionelle Transformation, für deren Förderung sich das Projekt aUPaEU seit nunmehr drei Jahren engagiert.

Vom Konzept zur Umsetzung: die Mitgestalter des Agora-Dienstes

Der erste Teil des Workshops konzentrierte sich auf Agora (die von aUPaEU entwickelte digitale Plattform) und ihre Dienste, die darauf ausgelegt sind, den Wandel zu beschleunigen.
Projektkoordinator Jesus Alcober stellte Agora als „digitalen Knotenpunkt” vor, da es eine zentrale Anlaufstelle für Universitätsallianzen darstellt, um alle verschiedenen Aspekte ihrer Mission zu erfüllen: nicht nur Bildung, sondern auch Forschung, Innovation und Dienstleistungen für die Gesellschaft. 
Er stellte auch das Konzept einer „Metagora” als Zusammenschluss von Agoras vor, um die Grenzen von Universitätsallianzen zu überwinden und Agora als digitalen Vermittler zu positionieren.

Amparo Zamora von der Uninovis-Allianz (Universität Málaga) stellte den Forschungsportfolio-Service der Plattform vor. Einen Katalog der Forschungsgruppen, die der Allianz angehören, in dem verschiedene Gruppen einander finden, Kooperationspartner suchen und Praktika finden können. Dieser Katalog ermöglicht es den Universitäten, Daten institutionsübergreifend zu harmonisieren und zu verwalten und von fragmentierten Tabellenkalkulationen zu einem gemeinsamen digitalen System überzugehen. Derzeit gibt es keine europäische Plattform, die Informationen wie im Forschungsportfolio speichert: So ist es beispielsweise nicht möglich, herauszufinden, welcher Forscher in welcher Forschungsgruppe arbeitet.

Beatriz Silva und Greta Temporin vom Projekt „Unite! Widening-Projekt (Unite!-Allianz, ULisboa und PoliTO) stellten das Digital Gender Equality Actions Repository vor. Anhand konkreter Anwendungsfälle veranschaulichten sie, wie die Agora-Dienste wichtige politische Anforderungen unterstützen, beispielsweise die Gleichstellungspläne (GEPs), die nun für die Teilnahme an Ausschreibungen im Rahmen von „Horizont Europa“ vorgeschrieben sind. Die Referentinnen betonten den Mehrwert dieser Instrumente, die Institutionen – insbesondere in den Widening-Ländern – dabei helfen, Leitlinien in kontextsensitive Maßnahmen umzusetzen.

Meritxell Vinyas von der Allianz Unite! und Gruppenleiterin der Untergruppe „Gemeinsame Infrastruktur” bei FOREU4ALL (UPC) gab einen Überblick über den Dienst „Forschungsinfrastrukturen”, den sie seit dessen Gründung gemeinsam mit aUPaEU entwickelt hat. Sie betonte, wie wichtig es sei, zu verstehen, dass Forschungsinfrastrukturen strategische Vermögenswerte und nicht nur Unterstützungsdienste sind. Die Probleme, mit denen Europa derzeit konfrontiert ist, betreffen nicht die Qualität der Infrastrukturen, sondern deren Fragmentierung, Doppelung oder sogar Zugangsbarrieren. In diesem Zusammenhang kommt der Agora-Dienst ins Spiel, um die vorhandenen Ressourcen zu valorisieren und zu teilen.
Stefan Weidner (Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg) schloss die erste Sitzung mit einem Erfahrungsbericht seiner Allianz EU GREEN über die Einführung von Agora als nachhaltiger digitaler Hub für die Allianz. Er beschrieb Agora als „Übersetzer” oder Vermittler zwischen verschiedenen Ländern, Systemen und Institutionen.

Zwischen der ersten und zweiten Sitzung genossen die Teilnehmer eine Kaffeepause und eine Poster-Session mit Postern von aUPaEU sowie von den Schwesterprojekten CATALISI und Accelerate Future HEI, mit denen aUPaEU eng zusammenarbeitet.

Institutioneller Wandel und politische Perspektiven: der Runde Tisch zur Politik

Der zweite Teil des Workshops bestand aus einem Policy Round Table unter der Leitung von Prof. Roberto Zanino (Politecnico di Torino), dessen Schwerpunkt auf der institutionellen Transformation im Rahmen des Europäischen Forschungsraums (EFR) lag.

„Das aUPaEU-Projekt hat großes Interesse bei vielen verschiedenen Allianzen geweckt, was wirklich großartig ist, denn das ursprüngliche Ziel des Projekts war es, genau den Bedürfnissen des gesamten Systems der Hochschuleinrichtungen in Europa gerecht zu werden“, bemerkte Zanino und fügte hinzu: „die Leitung der Institutionen, aus denen sich die Allianzen zusammensetzen, muss nun einbezogen werden, wenn wir wollen, dass die Ergebnisse dieses Projekts, das auf echte Bottom-up-Bedürfnisse reagiert, für die Institutionen relevant werden, die sich über alle ihre verschiedenen Ebenen verbreiten, um eine echte Wirkung zu erzielen. Ohne das Engagement der Rektoren und der institutionellen Leitung laufen selbst gut konzipierte Initiativen Gefahr, nur begrenzte Wirkung zu erzielen.“

Gastredner Michał Banaszak (Vizerektor für Digitalisierung und Zusammenarbeit mit der Wirtschaft an der AMU), Mattia Bellotti (Generalsekretär von EUTOPIA), Maria Mecenero (Referentin bei der GD RTD) und Jan Palmowski (Generalsekretär der Guild) sprachen über die wichtigsten Elemente der ERA-Agenda 2025-2027, darunter Wettbewerbsfähigkeit, Attraktivität von Forschungskarrieren, Infrastrukturen, Kapazitäten und künstliche Intelligenz.
Die Referenten betonten den Wert einer Kombination aus Bottom-up- und Top-down-Ansätzen: Diese sollten auf den tatsächlichen institutionellen Bedürfnissen basieren und durch strukturelle Maßnahmen unter Einbeziehung des oberen und mittleren Managements ergänzt werden. Die Diskussion verlagerte sich dann auf die Faktoren, die Veränderungen ermöglichen, wie beispielsweise Finanzierungsmöglichkeiten für Allianzen und Forschungskonsortien sowie Strategien zur Bindung und Gewinnung von Spitzenkräften.

Ausblick

Der Workshop endete mit einem eindringlichen Appell von Andreas Sumper, Vizerektor für internationale Politik an der UPC, zur Fortsetzung der Zusammenarbeit und zur weiteren Integration der entwickelten Dienste. Agora ist der Ausgangspunkt eines umfassenderen Prozesses, der darauf abzielt, die Fähigkeiten der Universitäten auf konkrete und gemeinsame Weise zu stärken. Die KIT-Bibliothek und die Abteilung für internationale Beziehungen werden ihre Arbeit an diesem spannenden Projekt fortsetzen.

Weitere Informationen:
International Afairs (INTL)
RDM∂KIT
aUPaEu project page